Polen Dies & Das Filme in Polen, ein Bericht über das polnische Kino

Filme in Polen, ein Bericht über das polnische Kino

Der französisch-polnische Filmemacher Roman Polanski ist einer breiten Öffentlichkeit durch seine Werke wie „Rosemarys Baby“ (1968), „Frantic“ (1988) und nicht zuletzt „Der Pianist“ (2002) geläufig. Seine aktuelle Arbeit, der Politthriller „Der Ghostwriter“, wurde 2010 während der Berlinale uraufgeführt und stand in der Wahl zum Goldenen Bären.
Neben
Krzysztof Kieslowski, dem Begründer des modernen Autorenkinos, ist Polanski einer der bekanntesten polnischen Regisseure. Nur – Polanski ist 77 Jahre alt und Kieslowski bereits 1996 gestorben – zählen die beiden Regisseure eher zu den ehrwürdigen Vertretern polnischer Filmkunst. Es ist an der Zeit, Nachwuchstalente vorzustellen. Filme, gedreht in Polen.

„MADE IN POLAND“, ein Film, um den der Regisseur Przemyslaw Wojcieszek seit nunmehr 10 Jahren bemüht ist. Jetzt endlich bekam er dafür ein Budget von 1,5 Millionen Zloty (ca. 400.000 Euro) zusammen. In seinem Werk wird die Geschichte eines jungen Manns erzählt, der sich zu Beginn des Films urplötzlich seine Kutte als katholischer Messdiner auszieht und „Fuck Off“ auf die Stirn eintätowieren lässt. Er zieht anschließend durch seine Stadt, zerstört mit einem Holzschläger bewaffnet allerhand Wohlstandsgegenstände und fordert seine jungen Mitmenschen zur Revolution. In einer Animationsszene tritt Jesus als Punkrocker auf, gefolgt von der Mitteilung: „Die Apokalypse wird nicht übertragen“.
Die junge Generation protestiert zornig und geradezu inhaltlich hilflos gegen alle Erwachsenen. Der Wunsch nach positiver Veränderung verhallt, denn was genau verändert werden soll, vermögen die ziellosen jungen Menschen nicht definieren zu können.


Trailer zum Film: MADE IN POLAND


 



Jan Hryniaks Film „TRICK“
spielt im politischen Milieu des in der Europäischen Union angekommenen Polen. Nachdem ein Parlamentsabgeordneter in Afghanistan entführt wird, möchte die Regierung ihn freikaufen. Dafür heuert sie einen inhaftierten Geldfälscher an, der das Lösegeld drucken soll. Der Fälscher erhält dafür Freigang. Später stellt sich heraus, dass der Politiker eine zeitlang aus dem politischen Tagesgeschäft herausgehalten werden sollte, da er in einen Sexskandal involviert war.


Trailer zum Film: TRICK





Die Protagonisten von „KLEINE ROSE“ („Rozyczka“) spielen in der Zeit der 1960er Jahre. Damals vertrieb die kommunistische Partei durch ihre antisemitische Politik tausende jüdische intellektuelle aus dem Land. Eine junge Spionin des Geheimdienstes wird durch ihren Agentenfreund auf einen älteren, jüdischen Professor angesetzt und verliebt sich in ihn. Sie kündigt den Dienst und stellt später Fest, dass ihr Agentenfreund selbst Jude ist. Er lebt unter falschen Namen als Agent, aus Angst vor dem Staat. Dieser Film ist auch für Anhänger erotischer Szenen in Filmen empfehlenswert.


Trailer zum Film: Rozyczka

 



Ein Publikumsrenner ist „LULLABY“ („Kolysanka“) von Juliusz Machulski. Der Film erinnert ein wenig an die Addams Family. Eine Vampirfamilie zieht in die entlegenden Masuren in ein Bauernhof. Der Hunger wird durch Postboten, vorbeischauenden deutschen Investoren, natürlich dem Pfarrer und Einwohnern des Städtchens getilgt. Nachdem das Treiben droht bekannt zu werden, flieht die Vampirfamilie nach Warschau in den Präsidentenpalast.


Trailer zum Film: Kolysanka



Wiederum ein ernstes Thema schlägt „KLEINE MATURA 1947“ („Mala Matura 1947“) an. Nach dem 2. Weltkrieg wird eine Familie aus den an die Sowjetunion abgetretenen polnischen Gebieten vertrieben. In Krakau lässt sich die Familie nieder. Der Film vermittelt die Verwandlung der bürgerlichen Gesellschaft Polens in eine von stalinistischen „Idealen“ gezeichneten, aus Anpassung und Schweigen bestehenden Staat.

Trailer zum Film: Mala Matura 1947 (nicht gefunden)

Natürlich sollen die hier vorgestellten Filme „Appetit machen“ auf mehr aktuelles polnisches Kino. Darum haben wir uns auf eine kleine Auswahl beschränkt, die für ein viel umfangreicheres Kinoprogramm steht. Eines ist den aktuellen Filmen allesamt anzumerken: Sie spielen in angespannten Zeiten, in einem von egoistischen Menschen regierten Land, in einer rücksichtslosen Gesellschaft gegenüber dem Individuum.
Auch internationale Produktionen werden verstärkt in Polen gedreht. So zum Beispiel der us-amerikanische Film „The Way Back“ mit den Hollywood-Stars Colin Farrell und Ed Harris über Soldaten, die aus einem russischen Gulag fliehen. Fliehen Sie doch wiedereinmal aus den riesigen Multiplex-Kinos in ein Programmkino Ihres Vertrauens. Dort wird Ihnen früher oder später auch einer der oben genannten Filme begegnen!
Viel Spaß.



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