Polen Europameisterschaft 2012 EM 2012 - Eine Bestandsaufnahme

EM 2012 - Eine Bestandsaufnahme

Mittwoch, 08. Juli 2009 um 22:20

Die Fußball-Europameisterschaft ist für jedes Gastgeberland ein bedeutendes sportliches, kulturelles aber auch wirtschaftliches Ereignis. In etwas mehr als zwei Jahren wollen die Ukraine und das größte osteuropäische EU-Land Polen die Austragungsorte stellen. Die beiden Länder müssen breite Maßnahmen für die Modernisierung und Ausbau ihrer Infrastruktur starten. Wer selbst schon einmal an einem Bauprojekt mitgearbeitet hat -und sei es nur der "Bau" einer Sandburg am Strand- weiß, wie aufwändig und strukturiert hier vorgegangen werden muss. Heute ist es an der Zeit, eine erste Übersicht der eingeleiteten Baumaßnahmen aufzuzeigen. Zumal der UEFA-Präsident Platini stets betont hat, dass entweder beide Länder zusammen die EM ausrichten, oder beide die EM verlieren.

POLEN

Die vorhandene polnische Infrastruktur wurde in den letzten Jahren stark strapaziert. Während des Wirtschaftswachstums ist kaum Geld in dringend benötigte neue Straßen und Schienenwege geflossen. Nun setzt langsam ein Umdenken ein. Die Vorbereitungen für den Bau bzw. Modernisierung der Infrastruktur nehmen zu. Allerdings führen Einsprüche und Beschwerden wie auch langatmige Ausschreibungsverfahren zu einem eher gemächlichen Fortschritt. Hinzu kommt, dass Polen durch die Wirtschaftskrise zur Zeit hohe Steuerausfälle verkraften muss.


In den kommenden 2 Jahren sollen 1.000 Kilometer Straßen, insbesondere Autobahnen, Umgehungsstraßen und Zubringerwege, erschlossen werden. Hierfür sind rund 11 Milliarden Euro vorgesehen. Etwa 60 Bauvorhaben sind auszuschreiben, um private Investoren zu beteiligen. Die polnische Staatsbahn PKP will ebenso 1.000 Eisenbahnkilometer sanieren. Vorrang bei den Bauprojekten haben die Relationen zu und zwischen den EM-Austragungsorten.


Seit 2004 stellt die EU Förderbeträge für den Infrastrukturausbau bereit. Polen kann und wird die EM nutzen, die veralteten Schienen- und Straßenwege auszubauen. Und, wenn eine neuwertige Infrastruktur "einmal da ist", zieht das neue Investoren für längerfristige Engagements auch in vorher eher uninteressante Gebiete.

UKRAINE

Die Ukraine erweist sich für die EM, und vor allen auch für Polen, zum Zünglein an der Waage. Unterschiedlichste politische Machtansprüche von Parteien und Personen lähmen seit mehreren Jahren die Gesetzgebung. Gleichzeitig hat das Land enorme finanzielle Probleme. Unter diesen Vorraussetzungen kommen Infrastrukturprojekte sehr schleppend in Bewegung. Abhilfe sollen private Unternehmen leisten. Die Ukraine möchte fast alle Baumaßnahmen mit finanzieller Beteiligung privater Unternehmen realisieren. Doch diese haben unter den politischen und rechtlichen Bedingungen wenig Interesse an Investitionen.


Während in Polen vor allem wichtige Bauten realisiert werden und die Regierung die langwierigen Ausschreibungen und Gerichtsverfahren beendet um ihre Infrastruktur auszubauen, befindet sich die Ukraine in einem eher lethargischen Zustand. Die schlechte finanzielle Lage des ukrainischen Staates und die grotesk anmutenden Machtspielchen der Politiker lähmen die Entwicklung des Landes. Die Ukraine begreift die Möglichkeit der EM-Austragung nicht als Initialzündung für ihre Weiterentwicklung sondern verharrt im Chaos. Schade für die Fußballfans. Und schade vor allem für Polen, wenn UEFA-Präsident Platini im schlimmsten Fall seine Ankündigung wahr machen muss.


Tags: EM-2012 | Fußball

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